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»Erfolgreiches Projekt, das praxisorientierte Schüler stark macht und echte Zukunftsperspektiven schafft« SPD-Bildungsexperte Martin Habersaat (MdL) besucht Modellklasse »Produktives Lernen« an der Wentorfer Gemeinschaftsschule

„In den letzten Monaten bin ich viel selbstständiger geworden, offener, mutiger, kann meine Interessen besser vertreten und gehe jeden Tag gern in meinen Betrieb“, erzählt der 15-jährige Schüler Leon Günther beim Besuch von Martin Habersaat, dem bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, über seine Erfahrungen mit dem alternativen Bildungsgang „Produktives Lernen“ der Gemeinschaftsschule Wentorf. Ein Angebot für einen Ausbildungsplatz hat der 8.- Klässler auch schon in der Tasche. Leon ist einer von insgesamt 15 Schülern und Schülerinnen, die in den Jahrgängen 8 und 9 der Gemeinschaftsschule aktuell an dem Leuchtturmprojekt teilnehmen. Es macht Wentorf zu einem besonderen Schulstandort, denn dieser Weg zum Ersten Allgemeinen Schulabschluss (ESA) wird in Schleswig-Holstein bisher überhaupt nur an 11 Schulen angeboten.

Im Rahmen dieses Bildungsganges können Jugendliche über einen Zeitraum von zwei Jahren in 6 unterschiedlichen selbstgewählten Betrieben ein jeweils 3-monatiges Praktikum absolvieren. Dabei arbeiten sie an 3 Tagen der Woche im Betrieb und besuchen an zwei Tagen die Schule. Für ein Praktikum kommen grundsätzlich alle Unternehmen und Einrichtungen in Frage, die die Teilnehmer interessieren: In Wentorf waren z.B. schon eine Autolackiererei, Fahrrad- und KFZ-Werkstätten, Gastronomieküchen, Elektrotechnikbetriebe, ein Reitstall, eine Tischlerei, Heizungstechnikunternehmen, Kindergärten und Arztpraxen dabei. Durch die enge Verbindung von schulischem und praktischem Lernen gewinnen die Jugendlichen wertvolle Einblicke in das Berufsleben, können sich in unterschiedlichen Arbeitswelten ausprobieren und erlangen konkrete berufliche und akademische Anschlussperspektiven, wie Jona Schulz (15) Herrn Habersaat erklärt

Produktives Lernen wurde 2023 an der Wentorfer Gemeinschaftsschule eingeführt und zeigt – ähnlich wie an den anderen beteiligten Schulen in Schleswig-Holstein – große Erfolge: Alle bisherigen Programmteilnehmer in Wentorf konnten im Anschluss an das Programm ihre Ausbildung in Schule oder Betrieb fortsetzen. Alexander von Wiltberg (16) z.B. als Auszubildender in der Alten 16; Jessica Waller (15) entschied sich trotz Lehrstellenangebots dafür, die 10. Klasse in Wentorf zu absolvieren, wo sie durch besonders gute Leistungen auffällt.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt einerseits in kleinen Klassen und individuellen Betreuungsmöglichkeiten. Andererseits darin, dass die Schüler Eigenverantwortung entwickeln, sich eigene Ziele stecken und selbst motivieren. „Für uns Lehrer ist das eine extrem lohnenswerte Aufgabe, die Kinder so beim Wachsen begleiten zu können“, erklärt Martina Briese, die die zwei aktuellen Projektklassen zusammen mit ihrem Kollegen Torsten Schulz leitet. Die beiden Lehrer qualifizieren sich seit zweieinhalb Jahren im Rahmen eines Zusatzstudiums berufsbegleitend zu PL-Fachkräften.

Positive Erfahrungen macht auch der 15-jährige Levin Raimann, der seit zweieinhalb Monaten im Wentorfer Betrieb e-motion am Südring im Praktikum aktiv ist. Der auf E-Bikes spezialisierte Dienstleister ist seit Einführung des Produktiven Lernens in Wentorf dabei und hat gute Erfahrungen mit den Jugendlichen der Gemeinschaftsschule gemacht: „Für uns als Betrieb ist das die perfekte Gelegenheit, einen jungen Menschen genauer kennenzulernen, zu sehen, wie er sich entwickelt und ob er in unser Team passt“, berichtet der Werkstattleiter und Ausbilder Philip Lienhop-Böttcher, der die Praktikanten im Betrieb betreut. Er hält große Stücke auf den technikbegabten Levin und freut sich darauf, dass der 15-Jährige nach dem Schulabschluss die Ausbildung zum Zweiradmechatroniker bei ihm anfangen will.

„Aus der Politik brauchen wir Unterstützung, weil wir mehr Stunden für die betreuenden Lehrer benötigen,“ erklärt die kommissarische Leiterin der Gemeinschaftsschule Stephanie Zumblick. Das gilt insbesondere, da das Programm im nächsten Jahr ausgeweitet und für andere Schulen geöffnet werden soll. SPD-Politiker Martin Habersaat unterstreicht die Notwendigkeit: „Jeder 10. Schüler in Schleswig-Holstein verlässt die Schule ohne Schulabschluss. Die Tendenz der letzten Jahre ist drastisch steigend“, berichtet er. „Hinter dieser Statistik stehen allein in 2023/24 2.730 junge Menschen, die mit weniger Chancen ins Leben starten. Statt Mittel zu streichen, wie das gerade auf Landesebene geschieht, müssen erfolgreiche Programme wie dieses unterstützt werden. „Produktives Lernen“ gehört als Angebot an jede Gemeinschaftsschule in Schleswig-Holstein, und bei der Berufsorientierung müssen wir auch an den Gymnasien noch besser werden.“

Schülerinnen und Schüler, die sich für das Produktive Lernen interessieren, können sich ab März 2026 wieder an der Gemeinschaftsschule für die Projektklasse bewerben